Sebastian Laurids F., Aufzeichnungen

Sebastian Laurids F., Aufzeichnungen

Spechtl, der Schlaf & die Selbstlegitimation

MusikPosted by Sebastian 2015-08-12 22:45
Ohne Bandkollegen, ohne Rückversicherung: Andreas Spechtl, Sänger der österreichischen Indie-Band Ja, Panik, ist mit seinem neuen Album erstmals auf sich allein gestellt. Ab heute steht es in den Plattenläden. Ich habe mit dem 31-jährigen Wahl-Berliner über «Sleep» gesprochen. Er meint, allein könne man «potenziell immer alles machen».


Bisher sind ein knappes halbes Dutzend Ja-Panik-Platten erschienen. Mit «Sleep» geht es jetzt auf Solo-Pfade. Wie ist das?


Es ist natürlich was ganz anderes – abgesehen davon, dass man für alles ganz allein verantwortlich ist. (...) Ich fand es interessant, wie man sich selbst legitimieren muss, weil das Album natürlich viel mehr als eine Ja-Panik-Platte am Computer entstand – und man da potenziell immer alles machen kann, wenn man ein paar Instrumente beherrscht. Ich habe Bass, Schlagzeug, Gitarre gespielt. Und da eine Form zu finden, fand ich schon wirklich sehr herausfordernd.

Inwiefern?

Dass man das immer ganz allein in der Nacht im Wohnzimmer oder im Proberaum macht, hat das schon immer etwas sehr einsames. Aber man lernt auch viel über sich selbst. (...) Ich denke, das ist ein Prozess von mir als Musiker und Künstler, der in eine ganz andere Richtung gegangen ist, und den ich auch nicht mehr zurückgehen kann. Ja, ich glaube, das wird sich auch auf Ja, Panik auswirken.

Wie ist denn das Album entstanden?

Ich glaube, ich habe die Platte in den letzten eineinhalb Jahren immer irgendwie so aufgenommen. Anfangs habe ich gar nicht drüber nachgedacht, bring ich das jetzt raus oder nicht. Und das fand ich ganz schön: Ich hab's einfach mal gemacht. Dann habe ich mich Anfang des Jahres so hingesetzt – ich glaube, es war im Jänner - und Maurice vom Schlagzeug so einige Sachen vorgespielt. Der fand das sehr gut und hat gemeint: «Ach, Andreas, mach doch 'ne Platte.»

Der Kern von «Sleep» ist der Schlaf. Warum?

Ich habe mir die Stücke angeschaut. Ich hatte noch viel mehr. Und beim Aussortieren bin ich irgendwann darauf gekommen, dass es wahnsinnig oft um Nacht und Schlafen geht. (...) Einerseits ist die Platte hauptsächlich in der Nacht und im Halbschlafzustand entstanden. (...) Und ich bin relativ oft unterwegs. Mittlerweile habe ich eine eigene Beziehung zum Unterwegssein, zu Hotelzimmern – was ja dann immer so ein kleines Stückchen zu Hause ist –, und dann ist der Schlaf eigentlich das, wenn man irgendwo auf der Welt sitzt, wo man am ehesten bei sich ist. Wo sich eigentlich nichts anderes ändert, als wenn ich in Berlin in meiner Neuköllner Wohnung sitze.

Also gibt es auf «Sleep» ähnlich wie bei den Band-Platten dann auch wieder ein Denkmodell?

Ich wollte das Konzept eher klein halten und inhaltlich gar nicht so groß fassen wie eine Ja-Panik-Platte. Da finde ich den Traum interessant, weil er eine Dialektik hat: Er findet komplett im Kopf statt, aber eben genau in dem Moment, wo du den Kopf ausschaltest. (...) Ich finde es gefährlich, wenn man da zuviel eingreift, als Sinnbild für unsere neoliberale Kontroll-Wahnsinns-Gesellschaft. Dass man auch noch den Schlaf beherrschen mag - am besten auch noch den Traum. Ich finde es sehr schön, wenn man den einfach lässt, wie er ist. Als kleines Refugium, das man noch hat.

Meine kurze Rezension von «Sleep» gibt es hier.

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